Teilzeitpoetin | Liebe muss nicht erwidert werden
Lisa lebt. Lisa liebt. Lisa ist süchtig.
liebe, trennung, schmerz, beziehung, paar, fernbeziehung, exfreund
507
post-template-default,single,single-post,postid-507,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-3.4,wpb-js-composer js-comp-ver-4.12.1,vc_responsive

Zurücklieben

Lisa verliebt sich schnell. Und gern.

Das Gefühl jemanden zu „haben“ und gleichzeitig von jemandem „besessen“ zu werden, ist für Lisa wie für andere der morgendliche Kaffee. Zwanghaft. Aber zwingend notwendig. Ohne Mann fühlt sie sich leer. So leer, dass sie manchmal nicht genau weiß, wohin sie mit ihren nichtexistenten und trotzdem so realen Gefühlen soll.

Gefühle sind Lisas Luft zum Atmen und gleichzeitig ihr langsam immer näher rückender Erstickungstod. Bemerkt der Mensch sein unumgängliches unentwegt näher rückendes Ende, hält er sich meist dennoch krampfhaft am doch so trostlosen Dasein fest.

Lisa hingegen lässt sich fallen. Sie fällt in Welten, die nur Lisa kennt.

Weil sie sich diese Welten baut. Aus Glas und Porzellan errichtet sie diese Wände um sich herum.

Lisa hatte noch nie Glück mit Männern. Zu schnell lässt sie sich blenden von hübschen Gesichtern und aufregend anregenden Geschichten. Sie weiß, dass eins und eins nicht drei ist und glaubt es doch, solange sie dafür nicht allein schlafen muss.

Sie flüchtet sich in die Arme eines Mannes, den sie liebt und von dem sie zurückgeliebt wird, der sie dann aber doch nicht mehr liebt, weil seine Liebe für mehr Frauen reicht. Für alle Lisas, Idas, Julias, Marias und Brittas dieser Welt. Sie flüchtet sich in die Arme eines Mannes, der sie nicht liebt. Der eine andere Frau liebt. Eine Raphaela. Sie flüchtet sich in die Arme eines Mannes, der sie nicht ihretwegen liebt. Der nur ihren Körper liebt. Vielleicht aber auch nicht mal das. Vielleicht liebt er nur die Vorstellung ihres Körpers, die nachts noch glasklar in seinen Gedanken ein Feuer entfacht. Die Flamme wird jedoch kleiner, sobald um sechs Uhr morgens die Vögel anfangen zu zwitschern.

Lisa ist nie allein und doch immer auf sich gestellt. Sie verschenkt ihr Herz und ihre Jungfräulichkeit jeden Tag aufs Neue. Jede Nacht ist es, als würde sie sich zum ersten Mal von jemandem das Shirt über die Brüste streifen lassen. Jeden Morgen folgt die Ernüchterung. Das Shirt ist nicht mehr zu finden, die Brust gefährlich nah in die Nähe der Achsel gerutscht.

Die Ernüchterung hüllt Lisa in eine unangenehme Umarmung. Aber lieber ein Mal mehr unangenehm umarmt, als allein aufgewacht, denkt sie sich.

Lisa hat kein Auge für all das Gute von dem sie sprechen. Für schöne alte Treppenhäuser und das Lächeln ihrer hübschen Mitbewohnerin. Sie sieht keine Regenbögen, sondern erinnert sich nur an den Platzregen zuvor. Sie freut sich nicht über eine Waffel am Stiel, sondern denkt sofort an den vorwurfsvollen Blick ihres Zahnarztes. Sie sieht keine schönen und versteckten Buchläden mehr. Bücher sind eh nur voll mit Worten. Worte sind leere, hässliche Hülsen, die Lügen formen. Sie denkt an Hermann Hesse: “Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich”, sagte der. Lisa denkt, dass das gut klingt und fragt sich trotzdem: was passiert dann mit denen, die nicht zurückgeliebt werden?

 

No Comments

Post a Comment